Feb 17 2008

Vellore. Ein 2er Versuch

Published by indiasei at 8:27 am under Bilder, Indien, Meinung, VIT




Mittlerweile sind wir hier seit knapp 5 Monaten. Anfänglich war es in Indien ein Ertragensmarathon mit Magnesiummangel. Das Vellore Institut of Technologie ist ein Gefängnis der Freiheit, ein Mahlstrom für Selbständigkeit. Ein Gefühl zwischen 14000 erwachsenen Kinder eingesperrt zu sein. Die Mündigkeit wurde mit dem Einschreiben(Immatrikulieren) von den Eltern auf das VIT übertragen. Eigene Entscheidungen können, wenn, nur ausserhalb des Knasts getroffen werden, innerhalb obliegt es den Wärtern und Wächtern, den Henkern und Schlächtern über Recht und Unrecht zu Urteilen. Die Verwaltung hier ist Gott. Ein Wort gegen sie weckt die Inquisition, die ähnlich dem Rauchen zum sukzessiven Freitot führt. Keine Bildung, kein Job, kein Geld, kein Essen, ein Tot. Ein Studentenkomitee an das man sich bei ungerechtigkeit wenden kann, wird von Gott untersagt. Gemeinsame Auflehnung gegen die VIT’sche Glaubenslehre wird mit einem Tsunami aus Regeln bestraft der über die Studenten hinwegrollt. Ausgehzeiten werden verkürzt, Musik auf den Zimmern untersagt. Striktere Kontrollen eingeführt. Es ist nur noch ein Frage der Zeit bis das Atmen von 21:30 bis 6:00 verboten wird.
Bestes Beispiel ist das Betreten des Wohnanlagengeländes, für junge Männer und die die es werden möchten, nach 21:30. Für geringpigmentierte kein Problem, alle anderen müssen warten. Bis um 6:00 Uhr am nächsten Morgen, wenn die Tore wieder öffnen. Es sei den sie halten einen göttlich gezeichneten Freibrief in der Hand für dessen erhalt die Selbstkasteiung unabdingbar ist. Frauen dürfen unter der Woche nur bis 19:30 raus. Am Wochenende ist es dafür nicht ganz so schlimm da werden die Ausgehzeiten um -2 Stunden auf 17:30 verlängert.

Das verlassen der Exklave VIT vom Staate Absurdistan nach Indien, besser gesagt Vellore ist mit der Zeit angenehmer geworden. Vellore ist nicht mehr die befremdlich Stadt in der man 5 Monate verbringen wird. Vellore ist mittlerweile das langweilige Kaff dem jeglicher Reiz fehlt. Eine Kleinstadt im konservativsten Teil Indiens mit allem üblichem was eine Stadt braucht um als Indisch durchzugehen. Kühe die keine Milch mehr geben, halblegale Winestores in denen es kein Wein gibt und kaltes Bier nur im Zustand warm, Bettelinder und Bettelinderkinder, ein erster Schritt zu einem Verkehrssystem, Rikshas, Läden, viele Läden, Werkstätten die an Elephantenfriedhöfe erinnern nur das den Skeletten die Form durch LKW und Bus gerippe gegeben wird, ein Bahnhof, Busbahnhof, Christliches Krankenhaus, Wahlkampf und kämpfer. Polizei.
Feuerwehren habe ich erst einmal gesehen. Das war nicht in Vellore und auch nicht echt da es sich um ein Trainingscenter für Feuerwehrmänner/frauen gehandelt hat. Man kann allerdings davon ausgehen wenn es ein Trainingscenter gibt existieren bestimmt Orte um dieses Training nutzbar zu machen. Waldbrandsheil…
Ansonsten ist das zurechtfinden zum Alltag geworden. Beim Handeln muss man seine Scham vor der Armut überwinden, aber wenn das einmal geklappt hat klappt das wieder und die Preise werden dadurch deutlich besser. Sei es ein Basar Einkauf oder eine Riksha fahrt. Anfänglich vom VIT in die Stadt noch 60rupien gezahlt fahren wir mittlerweile für konstante 35. Einige Inder zahlen mehr.

Wo man nicht Studieren muss (VIT)
wo man nicht in einer kack Kleinstadt lebt (Vellore)
fängt Indien an
und es macht Spass…

vellore_cmc.jpg

 

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